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Der Lumpen und das schöne Kleid

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Manchmal bekam er auch einige Münzen, wenn die Reichen ihn sahen. Und manchmal wurde er vertrieben. Und da sah der Werglumpen mit einem Mal die weiße Seide! Sie war noch immer ein wunderschönes Ballkleid. Sie war ihm noch schöner als je zuvor. Ein junges Mädchen trug das Kleid. Der Werglumpen hoffte, daß der Bettler noch lange durch dieses Fenster schauen würde. Die weiße Seide erkannte den Werg am Bettler, und bei jeder Tanzdrehung schaute die weiße Seide zu ihm. Der Werglumpen aber konnte sein Glück nicht fassen, und genoß den Moment. Die weiße Seide schien glücklich zu sein. Der Werglumpen fragte sich eine Zeit lang, wieso sie so glücklich war. Gewiß, sie war noch immer für schöne Feste gebraucht worden, aber sie schien nicht mehr einer Gräfin zu gehören, sondern vielmehr einer etwas reicheren Familie. Immerhin hatte die Familie ein Haus. Doch plötzlich sah der Werglumpen den Grund. In einer Vitrine des Festsaales war eine Ritterrüstung mit dem Metallstoff, von dem die weiße Seide so oft schwärmte. Bei jedem Fest, konnte sie nun in seiner Nähe sein. Der Werglumpen freute sich irgendwie für sie. Denn der Werglumpen war schon alt geworden. Manchmal meinte er zu sich sogar, daß es dem Bettler besser ergehen würde, wenn er ihn schon weg geschmissen hätte. Aber der Bettler hing aus Gewohnheit an diesem Lumpen. Schließlich hatte er ihn schon seit seiner Kindheit. Und er hatte ihn eigenhändig wieder genäht und auf Vordermann gebracht. Darauf war er als Kind sehr stolz. Es erinnerte ihn an eine unbeschwertere Kindheit. Dem Werg war das Recht. Schließlich konnte er nun deswegen ja durch dieses Fenster blicken - auf diese weiße Seide, die sich seiner Ansicht nach nicht verändert hatte, seit sie im Korb war. Sie schien manchmal so, als wollte sie zum Werg sprechen, aber er hörte sie nicht. Auch konnte er durch das Fenster nicht zu ihr sprechen. Sie schauten sich nur beide an. Er wußte auch nicht, wie er ihr Blicke deuten solle – zu lang hatte er nicht mehr in ihre Augen geschaut. Zu lang blickte ihn überhaupt kein Stoff mehr an. War es ein stolzer Blick ? Vielleicht. War es ein verzeihender Blick ? Vielleicht. Vielleicht hatte sie auch Mitleid mit dem Werg. Er dachte viel darüber nach. Irgendwann wurde der Better von einem Polizisten vom Fenster weggestoßen, und der Bettler ging seines Weges. Der Winter war nun abermals an der Tür. Schon 40 mal hatte der Bettler ihm auf der kalten Straße die Stirn geboten. Davon war der Werglumpen nur 2 mal nicht dabei. Er mochte diesen Bettler. Es war ein kleinwüchsiger gutmütiger Bettler. Oft machte er sich zum Affen für die Kinder. Da dachte sich der Werglumpen manchmal, daß sein Wochenende mit der weißen Seide für einen Beobachter wohl auch so gewirkt hätte. Aber es war das Wesen dieses Bettlers. Sowie das Wesen des Werges. Der Bettler freute sich, wenn die Kinder über ihn lachten. Manchmal bekam er dadurch von ihren Eltern sogar ein paar Münzen - oder Brot. Aber er hätte auch wie jeder andere Bettler dieses durch jammerndes Betteln erreicht. Manchmal war auch der Werglumpen daran beteiligt, indem er ihn zu einem Hund formte mit seiner Hand, und Kindern einen Schabernack spielte. Nun aber war der Bettler krank, und der Winter fing erst an. Er war schon hungriger, sodaß ihn das nicht sehr störte, daß er heute nicht soviel gegessen hatte. Einige Kinder kamen am späten Nachmittag noch zu ihm,und meinten, er solle wieder den Werg zum Hund machen. Aber er lächelte nur müde, und streichelte ihre Köpfe, und ging weiter. Am Stadtrand ließ er sich neben einer alten verfallenen Mauer nieder, und zählte seine Münzen. Zwei fehlten noch, um morgen Brot zu kaufen. Das war nicht viel. Es dauerte nicht lange, dies zusammenzubetteln. So schlief er zufrieden ein. Doch die Vögel die ihm zuzwitscherten weckten ihn nicht mehr auf. In einer Hand hatte er noch die Münzen. Er mochte sie in der Hand halten, weil er Münzen meist selten lange bei sich hatte. Einige Vagabunden bemerkten ihn zu Mittag, und nahmen seine Münzen, und seine Kleidung. Die Kleidung wollten sie unter den Bettlern verkaufen, aber den Werglumpen nahm niemand mehr. Also schmießen sie ihn in den Müll. Da lag nun der Werglumpen, wie damals im Kleiderkorb. Der Müllkorb war leer. Noch. Ein Fenster ging über dem Müllkorb auf. Und aus dem Fenster kamen Stimmen. „...Aber ich liebe dich, und habe dich immer geliebt.“....“Ja, aber wie lange ? Du bist jetzt schon alt, ich aber bin jung wie am ersten Tag – wenn ich dich lieben würde, würdest du mir nur Qualen zufügen,wenn du gehen müßtest !“...“..Ja ich weiß, aber ich kann nicht anders – ich könnte noch immer ein Brautkleid abgeben, und du könntest mich heiraten.“...

 

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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