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Das störte ihn sehr, und er begann zu weinen. Aber leise.
Er traute sich nicht laut zu weinen. Er wollte nicht, daß sie ihn weinend
sieht. Er wollte nicht, daß sie ihn so schwach sehe. Sie sah ihn zwar
nie als einen starken Stoff, aber geweint hatte er seit er ein Kind war nicht
mehr. Kein Stoff hatte ihn weinen sehen. Er wollte mit seinem Weinen alleine
sein. Die weiße Seide hätte ihn ja in der Lage doch nicht getröstet.
Ach, niemand hätte ihn getröstet kein anderer Stoff war ja
da im Korb. Niemand wußte von seinem Weinen. Die ganze Nacht schlief er
nicht. Er schaute nur zu ihr, wie einer, der sich schuldig fühlt, und nicht
weiß, wie er es gut machen soll. In der Frühe sperrte jemand die
Tür auf. Der Montagmorgen war da. Er war Grau. Fast so grau, als obs regnen
müßte, aber es regnete nicht. Aber es war kalt. Sehr kalt. Die Lichter
gingen an. Es war der Geschäftsführer, glaubte der Werglumpen. Es
war ihm aber nicht wichtig zu wissen. Er schaute noch immer zur weißen
Seide, und beobachtete, wann sie wohl aufwachen würde. Sofort würde
er zu ihr hingehen, und sagen, daß es ihm leid täte, was er am Vortag
gemacht hatte. Die ersten Arbeiterinnen kamen nun auch, und es wurde lauter
im Raum. Sie redeten vom Wochenende, sie gackerten vor Lachen die Arbeit
hatte sichtlich noch nicht angefangen. Kurz war der Werglumpen von ihnen abgelenkt,
da merkte er, wie sich die weiße Seide streckte und rekelte. Sie gähnte,
und sah aus den Löchern des Korbes , das Treiben im Raum. Sie stand auf,
faltete sich ordentlich , wie sie es gewöhnlich am Morgen tat, damit die
Falten von der Nacht ausgeglichen werden. Der Werglumpen eilte sofort zu ihr
zu und wollte schon sein erstes entschuldigende Wort ansetzen, doch da stieß
sie ihn wortlos weg, und setzte sich ein Stück weiter weg. Da merkte der
Werglumpen, daß sie den Vortag noch nicht vergessen hatte. Die ganze Zeit
schaute sie weg von ihm, und ließ es so aussehen, als ob sie etwas anderes
interessiere, obwohl nichts im Korb war, womit sie sich beschäftigen hätte
können. Mal schaute sie aus den kleinen Löchern. Mal zählte sie
die Fliegen an der Decke, die um die Lampe herumschwirrten. Wie schön wäre
es doch, dachte sich der Werglumpen, wenn er mit ihr reden könnte. Kaum
war dieser Gedanke fertiggedacht, da wurden ein paar Stoffstücke in den
Korb hineingeschmissen.
Ein großes Gerede entstand zwischen den neuen Stoffen, wie auch sonst immer. Jeder lernte den anderen kennen jeder stellte sich dem anderen vor. Jeder erzählte seine Entstehungsgeschichte. Der Werglumpen sah die weiße Seide nur kaum mehr nur einige Teile, so sehr verdeckten die anderen Stoffe sie. Die weiße Seide wurde schnell angesprochen und es wurden dieselben Sachen gefragt, wie sie sie gewohnt war. Woher sie komme, wie es dort aussieht, wie sie entstanden ist, und wie sie hierher gekommen ist. Sie erzählte das alles, erzählte von ihrem Dasein im Korb, ohne aber den Werglumpen zu erwähnen. Manchmal schaute sie gleichgültig zu ihm rüber. Er sah für ihn so aus, als wollte sie ihm zeigen, wieviele sich mit ihr beschäftigen, und wiewenige mit ihm. Als wollte sie dadurch ihren Status zeigen. Ungeachtet dessen kamen auch ein paar Reststoffe zum Werg, und befragten, wie es Kinder gewöhnlich tun, was er sei. Er wollte vor der weißen Seide ebenso sein, und zeigen, daß er auch seine Gesellschaft schon habe, und erzählte den Kinderstoffen seine Geschichte. Schnell gesellten sich die schönen Stoffe zu den Schönen, und die weniger Teuren zu den Ihrigen. Die Gespräche wurden weniger mit der Zeit, weil jeder schon alles wußte. Und dann fing der Klatsch und Tratsch zwischen den Stoffen an. Das übliche Gerede in Stoff-Körben : was will ich werden, was kann ich werden. Einige billige Stoffe meinten, es wäre sogar schon aus Reststoffen Hochzeitskleider erstellt worden. Vieles dieser Geschichten waren nur Träumerei der billigen Stoffe. Die teureren Stoffe wußten sich darüber immer zu mokieren. Aber die billigen Stoffe störte das nicht. Es begannen schnell die kleinen Hänseleien über die Stoffe. Die billigen Stoffe meinten, wie arrogant und eingebildet die teuren Stoffe wären. Die teuren Stoffe meinten, wie dumm und kleinbürgerlich die Billigen wären nicht umsonst würden sie dafür verwendet werden, Bettler und Arbeiter einzukleiden. Schnell erzählte auch die weiße Seide von ihrem Erlebten. Das sie nun auch dachte, daß ein billiger Stoff gleich ein schlechter Stoff wäre. Und so erzählte sie vom Werg und stellte ihn bloß. Selbst einige durchschnittlichen Stoffe schauten auf den Werg, wie auf einen Wüstling. Daß er es einfach so wagte ein Seidenmädchen zu küssen. Und die weiße Seide erzählte es auf ihre Weise: „...und da dachte sich der Werglumpen eben, daß ich auf keinem Korbboden schlafen könne entweder also Küssen oder auf dem Korbboden schlafen tja da hatte sich der Herr Werg aber mächtig geirrt.“. Den Werg verletzte das sehr, und er war den Tränen nahe, aber er ging auch zum Angriff über. Er erzählte seinerseits, wie snobistisch die weiße Seide sei. Sie wollte ständig nur von schönen Geschichten hören er mußte ihr den Hampelmann spielen, weil sie nichts anderes erlaubt von anderen Stoffen. Sie sei der teure Stoff, und nehme sich deswegen das Recht heraus, die armen Stoffe für das zu benützen, was sie will. Und wenn ein Stoff mal wagt sich ihre Rechte, ihr gegenüber herauszunehmen, dann bestraft sie den gleich. Der Werglumpen aber dachte sich eigentlich, daß er sich danach besser fühlen würde. Aber das tat er nicht. Nein, er fühlte sich sogar noch schlechter. |
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